Das war meine Erntesaison 2019

Weihnachten, Neujahr und diverse andere Aufregungen sind vorbei. Konzentrieren wir uns wieder auf die Dinge, die uns das ganze Jahr über erden, und unser Leben positiv beeinflussen.

Bei mir ist es der Versuch sich zu einem großen Teil mit Gemüse selbst zu versorgen. Ich bin regelmäßig draussen in der Natur, bewege mich in einem Tempo, das mir liegt, lasse die Allltagssorgen beim Ausatmen hinter mir, und beende den Tag mit einem gefüllten Gemüsekorb für den nächsten Tag.

#heyseason5 – Das war die Erntesaison 2019

Ende April sind mein Sommer und Herbst durchgeplant, denn von 1.Mai – 31.Oktober hieß es auch 2019 wieder Vanportraitkitchen goes Farmerslife auf der biozertifizierten Selbsternte Anlage in Ober St.Veit. Mitten in Wien Gemüseanbau integriert in einen ganz normalen städtischen Alltag: #vkgoesfarmerslife

Zu Beginn der 5.Saison war ich natürlich besser vorbereitet, und die Aufregung war geringer denn die Vorfreude. Mittlerweile weiß ich genau was vorzubereiten ist, und was man nicht einfach so nebenbei kaufen kann.

Gute Arbeitshandschuhe, mit denen man auch wirklich zartes Blattwerk und schweres Wurzelgemüse gleichzeitig bearbeiten kann, sind ganz schwer zu bekommen; deshalb ganz oben auf der Winter-Planungs-Liste. (Für Tipps und Empfehlungen bin ich da immer dankbar!)

Meine wichtigsten Notizen sind aber immer:

  • Was möchte ich in der nächsten Saison verbessern?
  • Welches Gemüse hat sich nicht so bewährt, und warum?
  • Von welcher Sorte möchte ich mehr anpflanzen?
  • Habe ich dafür überhaupt Platz auf 31 qm?

2019 wollte ich es wieder einmal mit Erdbeeren und Zuckermelonen probieren. Ein kleiner Nachteil einer Saisonparzelle, dass man keine mehrjährigen Pflanzen kultivieren kann, und Obst daher eher schwierig und selten auf so einer Anlage ist. Außer einige Physalissorten, die wachsen wie Unkraut.

Fenchel sollte deutlich mehr vorhanden sein. Den lieb ich roh, gekocht und gebraten; besonders im Sommer.

Zuckerschoten und eine dunkellila Rank-Fisolensorte sollte einen hübschen Zaun, und somit ein bisschen Privatsphäre bieten, neben dem Genuss.

Bei den Paradeis-Sorten wollte ich auf mittelgroße Sorten achten, die wennmöglich auch noch nicht alle gleichzeitig reif werden, weil ich sie ja täglich essen möchte, und nicht auf einmal 10kg einkochen.

Verbesserungsideen und Rezeptsuche: Mangold, Fisolen und Rote Rüben regelmäßiger ernten und für die kalte Jahreszeit verarbeiten.

So der Plan.

Wie war es denn nun in der Realität?

Same, same, but different.

Die Klima- und Wetterunterschiede merkt man bei so einem Projekt gewaltig. Dazu und darauf möchte ich hier nicht näher eingehen, obwohl mich das Thema nicht nur sehr beschäftigt, naturgemäß natürlich auch belastet, aber ich bin da kein Profi mit fundiertem Wissen, und ich will mich dazu nicht ungefragt äußern. Deshalb werde ich weiterhin das Wetter einfach darstellen wie es nun mal war, oder Bezug auf Erfahrungen im Vorjahr nehmen. Den Rest bespreche ich gerne offline in einer interessierten Talkrunde.

Der Saisonstart war großartig durch die milden Frühlingstemperaturen. Die Sämlinge waren bald zu sehen. Aber die folgende Hitze tat einigen Jungpflanzen nicht gut. Sie wuchsen nicht richtig oder verkümmerten, weil die Erde an der Oberfläche ständig austrocknete, und die Pflanzen noch nicht stabil genug waren um mit den Temperaturen umzugehen. Hätte ich 2x täglich gegossen, hätten sich aber keine starken Pflanzen entwickelt, abgesehen davon, dass ich dafür keine Zeit hatte.

Die Kürbisernte war ein Totalausfall.

Der Wunsch nach 2 Fenchelreihen blieb ein Wunsch, da es die Jungpflanzen nicht geschafft hatten, und ein 2.Versuch zeitlich nicht mehr drin war.

Dafür bildeten die Zuckerschoten Früchte, wie ich es noch keine Saison erlebt habe. Es war ein Traum.

Die Erdbeerpflanzen gedeihten gut, breiteten sich zwischen den Gurken und Paradeisern am Boden aus, aber die Weinbergschnecken und andere Tiere, denen ich tagsüber nicht begegne, hatten ihre Freude daran. Ich weniger, weil ich nicht mehr als 2-3 Erdbeeren pro Woche essen konnte. Das lass ich also 2020 sicher. Denn der große Nachteil bei solchen Mischkulturen: Man kann den Boden nicht gescheit bearbeiten. Ich habe zwar bei den Gurken keinen Erntenachteil dadurch gesehen, aber es war einfach aufwendiger und anstrengender, zwischen den Pflanzen die Erde zu lockern. Das ist aber gerade bei Gurken nicht ganz unwichtig, weil sie doch sehr viel Wasser brauchen, somit auch Erde, die dieses aufnehmen kann. Ich dürfte es gut hinbekommen haben. Es war ein tolles Feldgurken-Erntejahr! Herrlich, wenn man in so eine frisch geerntete Gurke beißt.

Zucchini gab es in diesem Jahr zum ersten Mal für mich in gelb und grün. Aus irgendeinem Grund wollte gelb die Jahre zuvor nicht. Aber 2019 klappte es wie am Schnürchen mit den 2 Pflanzen, die bis zum letzten Tag Blüten und in Folge Früchte produzierten. Die dritte Sorte – eine Kugelform – schaffte es über Blüten nicht hinaus.

Mangold war wie immer das problemloseste Kind in den Reihen. Die Regenbogenfarben bildeten bei jeder Ernte die Basis meines Körberls. Eine Schere machte mir das Pflücken der kleinen Triebe leichter, und es gab oft Mangold-Salat. So konnte ich auch das Auswuchern der Pflanzen verhindern, und hatte nie riesige ledrige Blätter, die eh niemand essen möchte, und die ab einer gewissen Größe für meinen Geschmack dann auch zu bitter schmecken. Nach Regentagen machte ich es genau umgekehrt und erntete nur die größten Blätter. Seit ich weiß, wie gut griechische Wildkräuter-Pastete schmeckt, die als Hauptzutat 1kg Blattgrün wünscht, steht während der Ernte Saison regelmäßig Mangold-Pastete am Speiseplan.

Gut auch, weil Spinatsaison war es keine; weder im Frühling noch im Herbst.

Bei den Roten Rüben habe ich mich jetzt dann doch darauf verlegt welche einzulegen. Soviel Ertrag wie eine Feldreihe gibt, kann ich einfach nicht regelmäßig essen. Das ist mir einfach zu viel. Die Gläser sind aber ein nettes Geschenk und finden immer Abnehmer.

Die Karottensaison verlief unaufgeregt, die Gelben Rüben überraschten mich ein wenig. Soviel Ertrag hatte ich noch nie. Allerdings habe ich außer einem Suppenrezept immer noch keine Idee wie man dieses Gemüse in Rauchen Mengen gscheit verarbeiten könnte.

Kohlrabi waren zu Beginn der Saison etwas schädlingsanfällig und ich verbrachte recht viel Zeit damit der Situation mit Steinmehl Herr zu werden. Hingegen die Pflanzen, die ich im Sommer einsetzte brachten mir eine wunderbare und unverhoffte Herbsternte, und ich glaube es war der Kohlrabi, der auch in meinem letzten Erntekorb der Saison glänzte. Da wäre noch mehr gegangen, wenn ich nicht am 31.Oktober Feldübergabe gehabt hätte.

Paprikapflanzen gedeihten gut, aber die rote Sorte blieb einfach grün. Warum weiß ich nicht.

Mit den Buschbohnen hatte ich im Vorjahr ein Erntedilemma erlebt, weil ich mir die Zeit einfach nicht gut genug einteilen konnte um regelmäßig zu ernten. Das lief 2019 nur besser, weil ich im Sommer meine Arbeitsstunden reduzierte und Teilzeit arbeitete. Dadurch konnte ich einen Vormittag wöchentlich zusätzlich im Juli und August nur für Fisolen einplanen. Mit dem Ernten allein ist es ja nicht getan. Man muss das Gemüse, das man nicht gleich essen kann ja auch verarbeiten. Roh tiefgefroren und dann aufgetaut schmecken sie mir überhaupt nicht. Also blieb mir der Weg sie zu ernten, putzen, garen und dann einfrieren nicht erspart. Das erledigt man nicht nach einem vollen Arbeitstag mal nebenbei. Aber es hat sich gelohnt. Ich esse immer noch an den Fisolen im Jänner. Nicht wie frischgeerntet, aber immer noch besser als aus dem Supermarkt; geschweige den die Verpackungsersparnis.

Und dann war da noch das Projekt Lila Bohnen Zaun.

Ich bekam von meiner Parzellenvermieterin ‚Blauhilde‘. Was für eine unerwartete Freude! Meine Bambusstäbe vom Garten waren bald nicht mehr zu sehen. Die Blüten begrüßten mich bei jedem Besuch, und die Ernte (worum es hier primär gar nicht ging) war gigantisch. Und: die geschmacklich beste Sorte ever! Es breitete sich riesige Dankbarkeit aus, und ich konnte es kaum glauben welche Berge an Fisolen ich heim schleppte; und das bis zum späten Herbst. Dringende Empfehlung auch für den Gartenzaun zu Hause! Mit den Käferbohnen klappte es nicht so gut. Sie hatten zwar wunderschöne romantische tieforange bis hellrote Blüten, aber der Ertrag war enttäuschend.

Die Zwiebeln gingen heuer zwischen Erdbeeren, Gurken und der Bienenweide ein bisschen unter. Vielleicht hatten sie zu wenig Sonne, oder es lag daran, dass ich die Erde um sie herum nicht bearbeiten konnte.

Last but not least: die Paradeiser. Die Wahl meiner Sorten war nicht die Beste. Manchmal kann man auch nichts dafür, weil man etwas anderes kauft als dann tatsächlich wächst. Ein Erlebnis war es trotzdem. Ich hatte (per Zufall) Riesen-Fleischtomaten. Man kann sich kaum vorstellen wie groß, aber vor allem wie schwer so eine einzelne Frucht werden kann. Es war ein ständiges Bangen, ob ich die Paradeiser mit ihrem Gewicht so lange stützen kann bis sie reif werden. Nach jedem Sturm war ich sicher, heute liegen sie am Boden. Die meisten konnte ich bis zur Ess-Reife erfolgreich betreuen.

Kirschtomaten und Wildtomaten sind eh recht pflegeleicht. Das war recht unaufgeregt. Die neue Sorte ‚White Beauty‘, die pastellgelb vor sich hinleuchtet, war nice to have, aber geschmacklich nicht viel besser als rote. Was mir schon gefallen hat, waren die deutlich kleineren und weniger Kerne, dafür mehr verästeltes Fruchtfleisch, was beim Schneiden schon ein Vorteil ist, und im Salat auch hübsch aussieht.

Und irgendwann war dann im Oktober Abräumen angesagt, und die 5.Saison schneller zu Ende als mir lieb war. Ehrlich gesagt, falle ich da schon immer ein bisschen in ein Loch, wenn ich die Parzelle wieder abgeben muß. Ich liebe diese 6 Monate auf dem Feld, und würde gerne noch viel mehr Zeit mit dem Pflegen des Gemüses verbringen können. Deshalb stört mich das überhaupt nicht, dass ich deshalb keinen Sommerurlaub mehr einplanen kann. Ich hab hier mein Mindset einfach geändert. Ich habe 3x wöchentlich 1-2 Stunden, und 2 Vormittage Workout, Urlaub und Meditation mit der Parzellenmiete mitgebucht. Seit ich das so sehe, und auch so in meinem Terminplan verankere, bin ich mit dem Zeitaufwand völlig im Reinen. Wie das andere Menschen, Arbeitgeber und Freunde sehen, ist eine andere Geschichte. Aber man kann bekanntlich ja nicht Alles haben, und es jedem recht machen.

Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf die Planung 2020, die schon langsam ins Rollen kommt.

In der Zwischenzeit genieße ich meine vielen Fotos und Videos, die ich immer im Winter bearbeite, sortiere und kategorisiere, um sie auch finden zu können, wenn sich mir eine Frage in der aktuellen Saison stellt. Und natürlich auch zu Dokumentationszwecken.

Unglaublich! Ich bereite mich auf #saisonsechs vor.

Wer hätte das gedacht?

Fotogalerie 2019: click