Qualitytime, und das Leben halt.

Da denkst Du Jahre lang, Du hast alles im Griff, und dann kommt es anders als man denkt. Das Leben halt.

Ich denke dabei nicht an Beruf oder Berufung. Heute geht es einmal um das Leben, das wischen durch einfach so passiert.

Jeder Blogger hat ja eine Seite, die er nicht zeigt, beschreibt oder dokumentiert. Bei mir war es meine Tochter. Als ich 2006 zu bloggen begann, war sie gerade im Volksschulalter, und es hätte, als Mami-Blogger, viel zu erzählen gegeben, aber dieses „Thema“ war für mich tabu. Authentisch hin oder her. Kinder und Web ist ein Gebiet, das mir zu heikel war, und nach wie vor ist. Darauf werde ich auch in Zukunft nicht näher eingehen. Dass ich hier auf VanportraitKitchen.com gerne Familien-Rezepte für die unkomplizierte frische Küche schreibe reicht auch ohne Familien- und Kinderfotos, oder Erzählungen von privaten Familen-Anekdoten.

Qualitytime, und das Leben halt

Nun ist mein Topfenbällchen, aber schon lange kein Kind mehr, und auch keine Jugendliche. Geschrieben ist es noch seltsamer als gesprochen: Meine Tochter ist Studentin und gerade ausgezogen. Und ja, Letzteres ist für mich gerade ein Problem, das ich so noch nicht einordnen kann.

Sie nicht mehr zu Hause bei mir zu haben, bedeutet auch, dass wir Samstags nicht mehr Waffeln machen, oder auch, dass ich sie nicht mehr mit Muffins Duft im Haus überraschen kann, wenn sie heim kommt. Es ist einfach nicht das Selbe welche vorbeizubringen.

Qualitytime, und das Leben halt

Lange hielt ich „Qualitytime“ für ein Unwort, denn wir hatten immer eine gute Zeit miteinander. Mein Kind hat mich nie in meinem Arbeitsalltag eingeschränkt. Ich hätte mir ab und an eine Haushaltshilfe gewünscht, oder jemand, der Reparaturen im Haus macht, vielleicht die Möglichkeit mit einem Chauffeur Einkäufe zu erledigen, aber nie wollte ich jemand, der die Erziehung meines Kindes übernimmt, oder womöglich statt mir da ist, wenn sie krank war.

Vieles in meinem Leben ist anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt habe, aber die eine Sache, die ich nicht geplant hatte, lief all die 19 Jahre am Allerbesten. Heute kann ich das sagen, weil es wirklich gut gelaufen ist, und auch gut ausgegangen.

Ich habe immer gehofft, dass ich den Rat

„Gebt Euren Kindern Flügel.“

gut umsetzen kann, und ich denke es ist mir gelungen.

Der Führerschein ist in der Tasche, die Matura mit Links geschafft, und die ersten zwei Semester Uni liefen so gut, dass sich scheinbar auch ein Job nebenbei ausging, und ein Umzug mit einer Leichtigkeit praktiziert wurde, als ob sie Einrichtungsberaterin von Beruf wäre. Sie ist gesund, sieht bei Lebensmitteln auf das Herkunftsland, bereitet sich Overnight-Oats für das Frühstück vor, macht hervorragende Pancakes, aber auch gegrillten Lachs, und nützt willhaben statt den Mülleimer. Besser hätte ich es mir nicht wünschen können, und auch nicht planen.

Ja, und plötzlich ist sie weg.

Jetzt werde ich das Wort Qualitytime noch einmal auf die Waagschale legen müssen, denn ich will auf jeden Fall regelmäßig ein paar schöne Momente mit meinem Kind erleben, und die müssen jetzt mit dem Kalender gut geplant werden, und die Zeit dann auch richtig gut genützt. Das schreibt sich nicht nur seltsam, fühlt sich auch sehr unpersönlich an, aber da muß ich jetzt wohl umdenken und dazu lernen.

Bis dahin freue ich mich darüber, dass ich soviel gute Zeit mit ihr hatte, an die ich mich jetzt erinnern kann. Zeit, in der wir in Buchhandlungen die Zeit vergessen haben, gemeinsam mit Jamie Oliver vor dem Fernseher Kochen gelernt haben, Reisen mit Bus, Auto, Flugzeug, Schiff mutig zu Zweit unternommen haben, Nachmittage mit Stift und Papier, Museumsbesuche, Picknicke im Park, spontane Ausmal-Aktionen und Umbauten, und nicht zu vergessen, die vielen Lokale, die wir gemeinsam entdeckt haben, und das stundenlang das Ganztags-Frühstück zelebriert haben.

Qualitytime, und das Leben halt

Diese gemeinsame Zeit, die wir zusammen verbringen durften, gibt mir die Sicherheit, dass sie jede Hürde meistern kann. Das war schon bei den Sprachreisen so, und fühlt sich auch jetzt richtig an. Ich konnte ihr alle Werte vermitteln, die mir wichtig erscheinen, und Möglichkeiten aufzeigen wie man es anders oder besser als ich machen kann. Ich hatte Zeit ihr meine Gründe für meine Lebensart zu erklären, und gleichzeitig Raum zu geben, sich über den eigenen Weg Gedanken zu machen. Somit fällt die Sorge weg, ob es ihr denn gut geht, und sie weiß was sie tut.

Und sie tut von ihrer Seite alles um es mir leichter zu machen. Wir waren zum liebevollsten Waffelfrühstück ever eingeladen (mit Bio-Dinkelmehl!). Wenn ich einen Hashtag aussuchen müsste, wäre es auf jeden Fall #girlboss.

Bei mir ist es zur Zeit eher #faceit and deal with it.

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