Meine 2. Selbsternte-Saison in Wien: Der Mai

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Es gab viel zu tun im 1. Cityfarm Monat. Mein erster Versuch Pflanzen in Anzuchtkästen vorzuziehen klappte sehr gut. Die Pflänzchen entwickelten sich prächtig auf meinem Fensterbrett in der Anzuchterde. Ich kann mich eigentlich gar nicht erinnern, dass es ein Samenkorn gab, aus dem nichts geworden wäre. An Salat und Paprika sollte es uns – so gesehen – diesen Sommer nicht mangeln. Je 24 Pflanzen müssten da reichen.

Aber nicht so schnell.

Was ist überhaupt ein Selbsterntefeld?

Nachdem mich das nun schon Einige gefragt haben, und Besucher etwas erstaunt, manchmal auch erschrocken waren, werde ich versuchen zu erklären wie das bei uns am Girzenberg in Wien läuft. Gleich vorweg: Es gibt verschiedene Modelle. Beliebt ist fast jede Anlage aus verschiedenen Gründen. Ich habe lange gebraucht um die richtige zu finden und hatte wirklich grosses Glück, dass ein Bio-Feld praktisch gleich ums Eck von mir 2015 eröffnet wurde.

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Ich habe eine 31qm grosse Single Parzelle in Wien, Hietzing auf der Rückseite des beliebten Ausflugsziels am Roten Berg gemietet. Das klingt für einen Garten bzw. ein Feld nach echt wenig. Ich muss sagen, dass ich im Vorjahr nicht schlecht gestaunt habe, wieviel Freizeit dieser kleine Fleck in Anspruch genommen hat. Familien Parzellen sind mit 45qm etwas größer und auch durchaus mit Engagement und Zeitmanagement alleine zu bewältigen. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit ein Kartoffelfeld am Beginn der Anlage zu mieten. Man unterschreibt einen befristeten Mietvertrag für eine Ernte-Saison, die je nach Wetterlage in etwa von Anfang Mai bis Ende Oktober läuft. Man besucht die Saisonversammlung Ende März, nimmt seine Samensäckchen in Empfang und liest aufmerksam, die regelmäßig ankommenden Emails mit Tipps, Pflichten, Regeln und Neuigkeiten. Nach Möglichkeit hält man sich daran. Ich habe mit sowas keine grossen Probleme. Immerhin befinden sich auf der Anlage 90 kleine Selbsternte-Gärten. Ein bisschen zu vergleichen mit einer Schrebergartensiedlung, bloß ohne Haus und Liegestuhl, aber definitiv mehr Sonne! Diese Selbsternteanlage wird nach strengen Regeln des kontrolliert biologischen Anbaus geführt. Das war mir wichtig, und einer der Hauptgründe überhaupt Gemüse selbst anbauen zu wollen. Mir schmeckt herkömmliches Gemüse einfach nicht, und ich möchte auch gerne wissen woher es kommt; am Besten von nicht zu weit weg.

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Wie läuft das mit dem Gemüse und woher kommt es?

Das Grundstück wird vor Beginn der Saison bearbeitet. Das bedeutet, die Betreiber pflügen, eggen, düngen und machen die Aussaat für etwa die Hälfte der Parzelle Ende April.

2016 wurden Spinat, Radieschen, Eiszapfen, grüne und gelbe Fisolen, Dille, Karotten, Gelbe Rüben, Rote Rüben, Mangold, Wurzel- und Blattpetersilie vorgesäht.

Steckzwiebel, Zwiebelsamen, Zucchini, Kürbisse und Zuckerschoten gab es im Papiersäckchen für die freie Fläche.

Paradeiser, Paprika, Salat und Kohlrabi wurden bei der Feldübergabe als Jungpflanzen Anfang Mai ausgegeben.

26 Gemüsesorten auf 31qm. Ich habe sogar auf 31 Sorten aufgestockt. Nach Rückfrage und Pflanzennachweis kann man auch weitere Bio-Pflanzen auf der Parzelle setzen. Erlaubt sind z.b. Arche Noah, Reinsaat, manche Zurück zum Ursprung Saaten aus dem Waldviertel, eventuell Ja!Natürlich, und Anzuchterde für den biologischen Landbau. Auf keinen Fall dürfen Hybrid-Samen oder Pflanzen auf die Anlage gebracht werden, auch nicht mit Bio-Zertifizierung. Werkzeug, Gießkannen und Wasser wird zur Verfügung gestellt. Müll nimmt man selbst mit nach Hause. Das Gießen übernimmt jeder selbst für sein Feld. Das Unkraut und die Ungezieferbeseitigung auch.

Nach der Feldübergabe und vor dem Unkraut

Heuer wollte ich  mir natürlich ein paar Fehler vom Vorjahr ersparen. Allen voran: Nicht wieder Unkraut mit Sämlingen verwechseln und alles verzweifelt ausrupfen oder umgraben. Ordentliche Schilder mussten her. Der Weg dorthin ist eine andere Geschichte. Am Ende habe ich bei Manufactum unbehandelte 18cm lange Steckschilder gefunden, die gut mit wasserfestem Filzstift beschreibbar waren. Passiert ist es mir trotzdem. Ich habe die Karotten Saatreihe mit der Freifläche verwechselt und dort die Zwiebelsamen eingesetzt. Das Feld vor und nach mir haben es mir heute sehr deutlich gemacht. Dort sprießt 2cm großes Karottengrün in einer feinen Saatreihe. Bei mir nicht. Mal sehen. Spinat und Fisolen lassen seltsamerweise noch auf sich warten. Das kann aber nicht mein Fehler sein.

Seiltanz oder Fliegen?

Wie komme ich zwischen den Saatreihen zu meinem Gemüse, oder zuerst einmal zum Unkraut? Sobald ich mir sicher war wo was gesät und gepflanzt wurde, legte ich Wege an, die in etwa eine Fußbreite haben, manchmal sogar etwas breiter. Das hat nicht nur den Vorteil, dass ich hier stehen kann ohne etwas zu zertreten. Im letzten Sommer hatten sich diese Wege auch als Gießrillen bewährt. Das Gemüse blieb trocken, und rundum wurden die schlanken Gräben mit Wasser gefüllt.  Das erwies sich als besonders praktisch, wenn ich keine Zeit hatte früh morgens oder spät Abends zu gießen. Da die Blätter nicht naß wurden, konnte ich auch mal um 10h vormittags oder am Nachmittag das Gemüse mit Flüssigkeit versorgen.

Die 1.Ernte

Gut, jetzt plagt man sich einen Monat lang, und was springt dabei raus? Geerdet sein. Gedanken sortieren. Frischluft. Bewegung. Herrlicher Abendhimmel. Vorfreude. Ernte gab es im Mai noch keine. Der Spinat wäre als Erster dran gewesen. Er ließ sich bis jetzt nicht blicken.

Mangold und Rote Rüben zeigen bis zu 10cm grosse Blätter. Heuer leider sehr durchlöchert. Die Entscheidung Steinmehl zu verwenden; ich weiß nicht. Die Radieschen und Eiszapfen werden langsam. 5 konnte ich am 3.Juni ernten.

Die Paradeiser wachsen alle fröhlich (trotz diverser Unwetter), und zeigen ihre ersten Blüten. Kohlrabi sieht gut aus, Petersilie ist 1cm gross. Die Paprikapflanzen wachsen, die die ich vorgezogen habe sind immer noch sehr, sehr klein, aber sie scheinen zu wachsen – eben langsam , und sich am Feld wohl zu fühlen. Die Steckzwiebeln entwickeln sich herrlich.

Und der Salat? Tatarata!!! Heute habe ich den ersten Korb Salat von beiden Sorten mitgenommen. Sowohl der rote Pflücksalat als auch der grüne Romano gedeihen prächtig. Supermarkt ade; zumindest bis zum Herbst, was Salat betrifft.

Kräuter wachsen ganz toll auf der Anlage. Ich selbst habe aber keine, da ich zu Hause diverse Kräuter gepflanzt habe, die da bestens gedeihen, und ich sie wirklich nach bedarf direkt während dem Kochen je nach Bedarf pflücken will.

Vorkehrungen für den Sommer

Ich hab sie schon: Anti-Aging Tagescreme mit SPF50 aus Griechenland, weil ich griechische Sommer kenne, und die Griechen sich mit Sonne auskennen (selbstverständlich Bio). Nicht lachen. Ich habe wirklich keine sonnenempfindliche Haut, aber Feldarbeit mit SPF30 ist mir letzten Sommer nicht gut bekommen, und dass ich nicht mehr 20 bin kann man ja leicht nachlesen. Gummistiefel hätte ich vorbereitet, in der Praxis aber noch nie verwendet. Dr.Martens haben sich bei mir im Werkstattleben super bewährt, und so halte ich es auch am Feld. Sobald es wärmer ist, und der Boden nicht mehr so feucht, wechsle ich gerne zu Stoff-Sneakers aller Art. Am Liebsten sind mir auch hier faire Schuhe. Hanf-Sneakers sind ganz fein. Veja aus Frankreich habe ich voriges Jahr zum ersten Mal ausprobiert, und mag ich gerne, weil ohne Socken möglich ohne Blasen zu bekommen. 2 Paar Gartenhandschuhe sind immer am Feld, und zwar auf Bambusstäben baumelnd. Nicht nur wegen des Vogelscheuchen-Charakters, sondern, weil sie gut trocknen, die Erde von alleine abfällt, sie so auch vom Regen gewachsen werden und ich sie beim nächsten Besuch wieder ohne Gäste drin vorfinde. Wenn es Zeit wird Paradeiser im genossen Stil zu ernten bringe ich extra Gummihandschuhe mit. Das frische, saftige Blattgrün bekommt meiner Haut nicht besonders gut: Histamin-Intoleranz. Tomaten kann ich aber sehr gut essen.

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Was man sonst so braucht

Pflanzstäbe, Wassergräben sind erledigt. In meiner Holzkiste befinden sich eine kleine Schaufel, Messer, Schere und eine leere Plastikflasche, falls ich einmal vergesse ohne Wasser auf’s Feld zu kommen. Da hatte ich auch so meine ein/zwei Erlebnisse letzten Sommer. Mit nüchternem Magen bzw. 4 Kaffee und sonst nix in der prallen Sonne Unkraut jäten – bitte versuch es nicht. Deshalb heuer das kleine Sesselchen. Dieses Wochenende soll es wieder jede Menge Regenfälle geben, was nächste Woche dann jede Menge Unkraut bedeutet. Aber wir wollen ja das Positive sehen, und das besagt, dass ich nach getaner Arbeit immer mit frisch geerntetem Bio-Gemüse nach Hause gehen kann. Klingt das nicht wunderbar?

Eine Sammlung zu allen Garten- & Feld-Beiträgen, Videos, Links, Foto-Galerien findest Du hier: vanportraitkitchen.com/vkgoesfarmerslife/ und täglich mit mir dabei bist Du auf Instagram: @vanessakocht – Ich freu mich auf Dich! 

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5 Gedanken zu “Meine 2. Selbsternte-Saison in Wien: Der Mai

  1. Eine Parzelle mit nur 35qm? Hab ich da richtig gelesen? Ist das nicht beengt? Ich meine jetzt nicht zum Anbauen, aber mit den anderen drumrum? Ein Eckchen zum Sitzen ist dann ja nicht wirklich drin oder? Ich hoffe, ich hab es nicht überlesen. Ich hab manchmal so ein Talent
    xoxo & liebste Grüße 💙
    Sina von https://CasaSelvanegra.com

    1. 31qm 🙂 ! Eigentlich ist es ja kein Schrebergarten sondern ein Feldstück zum Anbauen. Das hast Du schon richtig verstanden. Mehr würde ich ehrlich gesagt arbeitstechnisch nicht schaffen. Sitzen ist mein größtes Alltagsproblem am Computer und am Zeichentisch. Deshalb macht mir das nichts aus, dass ich mich am Feld quasi nur bewege. Obwohl ein kleines Sessel findest Du schon in der Fotogalerie.

      1. Das ist echt interessant. Diese Art von eigenem Garten ist mir so gar nicht bekannt, aber ist schon eine feine Sache. Ich könnte es mir für mich zwar nicht vorstellen, weil ich eben im Garten auch gern mal nur sitze und chille 😉 LG 💙

      2. Das stimmt. In meinem Garten sind die Verhältnisse für Gemüseanbau nur bedingt gegeben. Ich habe den großen Unterschied 2015 bei meiner 1.Selbsternte Saison deutlich gemerkt. Früher dachte ich immer es läge an meinen Gärtnerkenntnissen. Aber die Lage spielte wohl auch eine bedeutende Rolle. Deshalb die Entscheidung eine Selbsternte Parzelle zu mieten.

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