Hotel Mama Closed #4 und Geschichten aus Zadar

 

Zadar 2014 Marina

Auf weitere Strandsuche war mir die Lust vergangen. Richtig grosser Fail war, dass ich nicht versucht hatte mir wenigstens für einen Tag ein Mietauto zu checken. Hauptgrund: Es gibt keine in der Altstadt. Hier führen alle Wege zum Busbahnhof, der alles andere als einladend ist; Weg und Platz, oder eben in die Gegend. Am Besten wär ja ein Fahrer, aber woher nehmen , wenn nicht anlachen?

Also neuer Plan, wie alle paar Stunden hier. Planmäßig ist in Zadar nicht. Nachdem ich am Vorabend richtig gut bei dalmatinischen Spezialitäten in einem regionalen Restaurant zugeschlagen hatte, und meine neuen Mietbewohner zum ersten Mal echt seltsam waren und nicht mal zum Grüßen ihren Kopf aus der Koje streckten, hatte ich morgens auch keine Lust länger als 10 Minuten nach dem Zähneputzen im Zimmer zu bleiben. Ich krallte mir mein Breakfast to Go in der Hostelküche und machte mich um 7.15h auf den Weg zur Marina über die Stadtbrücke.
Was man hier richtig gut kann: abhängen. Mit 6-12 Kuna bist Du mit einem Espresso dabei, mit Glück auch mit funktionierendem Free-WiFi. Der Aufkleber auf der Bar-Fensterscheibe ist kein Qualitätsmerkmal im Gegenteil. Praktisch jede Bar hat Wlan und das Passwort ist zu 99% auf der Rechnung, die gleich mit der Bestellung kommt. Wenn das auch nicht klappt, hat man noch immer das Gratis City Wlan. Mit Hochladen ist da nicht viel los, aber für Twitter und Co reicht es alle Mal.

Zadar Altstadt 2014

Jetzt war ich natürlich nicht da um ständig im Netz zu surfen, aber wenn Du was erfahren willst, bleiben Dir sonst wenig Möglichkeiten. Was mir nämlich echt an den Kroaten hier stinkt, ist das Desinteresse an diesem unglaublich wertvollen Kulturerbe. Es gibt so viel zu entdecken, wenn Du durch Zufall drüber stolperst und Deine Augen aufmerksam hin und her huschen. Bis auf wenige Ausnahmen erklärt Dir hier niemand was, wenn Du mehr als den Weg zum Supermarkt wissen willst. Da hat sich in den letzten 30 Jahren kaum was geändert. Die Einzigen, die echt daran interessiert sind, dass Du Dich nicht langweilst, oder stupid in der Gegend rumläufst sind Studenten, die scheinbar mehr als ihre Westentasche gesehen haben. Denen bricht es dann fast das Herz, wenn Du nur die klassischen 5 Sehenswürdigkeiten gesehen hast. Die lassen dann schnell mal ihren (wahrscheinlich) schlecht bezahlten Job als Trafikant, Kioskverkäufer oder Ausflugskeiler für 10 Minuten links liegen und hauen sich mit Kugelschreiber und Plan voll ins Zeug um Dir die grossartige Stadt mit so viel Seele schmackhaft zu machen und Dir wertvolle Tipps zu geben. Und jeder! gab mir seine Privatnummer um mich zu melden, falls ich noch etwas brauche. Da geht einem wieder das Herz auf.
Bei der Marina blieb mir dann wieder die Luft weg, wieviele und was für Boote und Yachten hier anlegen, um die sich keiner schert.
Jobtipp am Rande: Wenn Du Deinen Sommer am Meer verbringen willst, schnür Dir ein kleines Touri-Programm und fahr nach Zadar. Ich hatte vergeblich jemand gesucht, der einem eventuell etwas zeigen würde. Nur ein einziges Mal hatte ich etwas von einem Bootsanbieter gehört, der Privattouren zu den Inseln ab 200 Euro pro Tag macht. Das war mir nicht nur ein wenig zu happig, aber auch zu blöd allein mit einem Boot herum zu fahren.
So sass ich also in einem Café am Wasser mit meinem Dalmatien-Geschichtsbuch, das ich in der Altstadt ergattert hatte, und ließ die Seele baumeln.

Noch 2 Tage; die wollte ich doch richtig geniessen. Hostel hin oder her. Denn das ist ein Punkt, den ich überhaupt nicht verstehe. Ob ich in einem Bus auf engem Raum mit 60 Menschen 9 Stunden sitze, oder einen Flug buche, der von Haustür bis zum Urlaubsort die gleiche Zeit verschlingt, weil ein Zwischenstopp in Zagreb durchaus normal ist, obwohl die Gesamtstrecke keine 1,5 Stunden Flugzeit beträgt, macht ja praktisch keinen Unterschied. Das Hostel ist richtig klasse, wenn man allein reist. Denn man ist nicht allein unter mindestens 50% Alleinreisenden und somit weder komisch noch unter dem Verdacht man wäre auf Partnersuche.
Was ich absolut nicht verstehe, warum Hostel-life gleichzeitig bedeuten muss, dass ich nur ungenießbares Zeug in mich rein stopfen soll. Ich könnte 3x täglich mit jemandem zum Strand, auf ein Bier oder zum Ausflug. Gutes Essen? Oh Gott, nein! Von wegen gut. Nicht mal gscheit schlecht.

Zadar 2014 Fastfood
Gut essen kann ich auch sehr gut allein. Und das genoß ich in vollen Zügen. Die beste Zeit dafür ist ganz kurz vor der Dinnerzeit. Eine Vesper also. Da gibt es keine Familien, die lärmen und keine Pärchen, die turteln. Da ich mittags komplett mit Essen auslasse, halte ich unmöglich bis 20h durch und somit ist 17.30 meine Zeit, auch, weil ich so um 19.30h den Sonnenuntergang an der Seeorgel nicht verpasse. Und so kaschierte ich im Pet Bunara tatsächlich schnell eine Träne als ich zum zweiten Mal in diesem Juwel von regionaler, saisonaler, Bio-Küche Zadars saß und meine auf Wunsch zusammengestellte kalte Platte serviert wurde. Ich war so dankbar und glücklich an einem gedeckten Tisch sitzen zu dürfen und nicht aus einer Papptüte essen zu müssen.
Zadar 2014 Restaurant Tipp

Teil 5. Abschied.
Reisetagebuch Zadar
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