Hotel Mama Closed #2

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Da sitz ich nun im Hof eines Hostels.
Ich wollte unbedingt raus. Die Decke fiel mir auf den Kopf. Immer die gleichen vier Wände? Das hält ja kein Mensch aus.
Meer und blauer Himmel sollten es sein. Keine tagelangen Autofahrten, mühsame Flughäfen. Das Ziel war diesmal der Weg. Luft zum Atmen.
Ein randvoller Reise-Bus, der direkt von Wien nach Zadar fuhr machte den Wunsch zur Realität. Zuerst erleichtert, dass sich eine Wienerin neben mich setzte, und wir uns 3 Stunden unsere Lebensgeschichten erzählten, dämmerte mir gegen Mitnacht, dass allein sein was anderes ist.

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10 Stunden später fand ich mich an der Stadtmauer der antiken Altstadt. 4h früh in einer Menschenleeren Hafenstadt.
Ruhe, Stille, stockfinster. Ah ha. 100 Punkte. Genau was ich wollte. Erleichterung kam keine auf. Völlig erschlagen zog ich meine Reisetasche hinter mir her und hatte keine Ahnung wo ich hin wollte. Selbst wenn ich das Hostel finden würde. Bett warte hier keines auf mich vor 14h.
10h Zeit. Auf einer Parkbank schlafen kam nicht in Frage. Die Gassen wurden immer enger, meine Schritte immer schneller. Und schwups stand ich vor dem Hostel Eingang. Koffer deponieren, no problem. Bett? Vergiss es. Fully booked, aber kein Problem, solche Herbergen sind ja für ihre Gemeinschaftsräume bekannt.
Da kauerte ich mich also mit 43 Jahren, einer Helmut Lang Tasche als Kopfkissen mit Seidentuch und Diamantohrringen auf eine Matratze und versuchte mit dem Netzteil meines iPhones ums Handgelenk gewickelt, an die einzige Steckdose weit und breit angedockt, zu schlafen.

Da kam schon ein fröhliches „Hello, where are you from“ in französischem Akzent. Also doch nicht schlafen. Macht ja nichts. Mein gegenüber hatte in den letzten 5 Tagen 18 Stunden geschlafen. Bravo. Ich wollte gar nicht wissen wie alt er war.
Nach einem kurzen Fluchtversuch zur Toilette, beschloss ich dem Sonnenaufgang die Chance zu geben mich vergessen zu lassen, dass ich zu alt für solche Spässe bin.
Die Möwen kündigten lautstark den Tag an und das Meer hätte nicht blauer sein können. Es rang mir ein schlappes Schmunzeln ab. Meine letzte Reise-Wasserflasche verbesserte die fahle Haut auf meinem ersten Selfie mit Zadar im Hintergrund nicht mal ein bisschen.
Zweiter Versuch auf der Matratze. Der Steckdosenplatz war belegt, also ohne Aufladung. Oropax erleichterten die Situation. Besser sah ich 2 Stunden später trotzdem nicht aus.
Ein Frühstück an der Hafenpromenade im Schatten liess mich überleben. Ein weiterer Liter Wasser machte mir Hoffnung noch 3 Stunden bis Zimmerbezug durchhalten zu können.
Die stille Freiheit hatte ich mir etwas leichter vorgestellt.
Ich vermisste meine Familie, meinen Hund, meine Kosmetikartikel, den Kühlschrank mit Trinkwasserspender. Wie lange wollte ich noch mal bleiben?
5 Nächte bis mich wieder mein Busticket zurück in mein über Jahre gebautes Nest brachte.
Die Stimme, die mir ständig „chill doch mal“ ins Ohr flüsterte, ging mir mächtig auf die Nerven. Das Bild mich endlich auf ein frisch bezogenes Bett werfen zu können, wurde durch die Vorstellung, wer noch in dem 4er Forum Chat Room wohnen würde, zu einem kleinen Karussell von Panik, Wut auf mich und Verzweiflung.
12h. Zu früh um mal kurz nachzufragen?
Nein! Und ich hatte Glück.

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Ich bezog also meine Koje und war mal kurz zufrieden.
Mal sehen wie es weiter geht 😉

Teil 5. Abschied.
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