Pretty Vegan, eine Annäherung an tierfreie Gerichte

Pretty Vegan

Der Vegan Trend ist natürlich auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Obwohl ich gleich zu Beginn zugeben muss, dass ich das dogmatische Thema fast schon ein bisschen penetrant finde. Es nimmt langsam diese unsympatische Richtung von „Bist Du Raucher?“ an. Raucher und Fleischesser sind heute scheinbar die Punks der Gesellschaft. Ganz so stimmen kann das aber doch nicht, wenn man sich so ansieht was im Supermarkt und an den Imbissständen, mit den langen Warteschlangen davor, angeboten wird. Ich interessiere mich sehr dafür, mich  besser und bewusster zu ernähren und möchte charmante Alternativen kennenlernen, und bin immer bereit dazu zu lernen. Bei Rückfragen bekomme ich (und ich weiss nicht nur ich) nicht selten verständnislose Blicke in Richtung meiner Lederschuhe oder Seidentücher zur Antwort. So etwas macht vielen Menschen Druck und ein schlechtes Gewissen, und genau das Gegenteil sollte doch der Fall sein um ein besseres Verständnis zu entwickeln zu können. Es ist ein schwieriges Thema und passt nicht in den Alltag, den wir bisher gekannt haben. Umdenken ist ein langsamer Prozess und ich frage mich oft  wie das ein normaler Mensch mit Familie alles hinbekommen soll, auch zeitlich und finanziell.

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Ich habe ein gutes Lebensmittel-Budget. Nicht weil ich so viel verdiene, aber weil mir gutes Essen wichtig ist. Also setze ich Prioritäten. Es gibt in unserer Familie keinen 2 wöchigen Schi-Urlaub bzw. Club-Schlagmichtot im Sommer. Das sind für 3 Köpfe mindestens 3.500 Euro, also 300,- monatlich, die wir pro Jahr für Lebensmittel und gesunde Kosmetik mehr zur Verfügung haben. Dafür kann man ganz ordentlich einkaufen. Täglich Noan Öl und andere Luxus-Bio Artikel gehen sich da aber auf keinen Fall aus. Das bleibt „das kleine Extra“ zwischendurch. Deshalb bin ich unglaublich dankbar, dass es Ja!Natürlich, Tante Fanny, und viele andere Marken gibt, die sich an den Normalsterblichen richten, der täglich kocht und daher nicht ständig im Luxus-Bio-Supermarkt 150-250 Euro ausgeben kann, aber doch gute Lebensmittel verarbeiten möchte. Ich mach das ab und zu und weiß deshalb sehr genau, was den Unterschied zwischen einem vollen Einkaufswagen bei Hofer, Billa, Merkur, Basic, Denns, Maran, Naschmarkt etc. ausmacht, ganz zu schweigen, wenn man darüber hinaus den Super-Bäcker, Fleischhauer und Obsthändler bemüht.

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Nach 10 Jahren täglichen Kochens, hab ich mir da einen ganz guten Mittelweg erarbeitet, finanziell und zeitlich. Der Zeitfaktor spielt bei veganem Kochen z.B. ja keine unerhebliche Rolle. Ich kann nicht tagelang ein Gericht vorbereiten, wenn ich täglich koche. Da bräuchte ich ja eine Redaktionsplan für die Küche, und das ginge eindeutig zu weit.

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Deshalb bin ich Tante Fanny für den Pretty Vegan Koch-Workshop bei Karl Wrenkh im Wiener Kochsalon sehr dankbar, den ich unlängst mitbespielen durfte. Was ich da an einem Abend gelernt habe, wird meinen Speiseplan eindeutig für lange Zeit bereichern. Finanzierbare, regionale Lebensmittel, die man auch um die Ecke bekommt, und Rezepte, die zeittechnisch durchaus zu bewältigen sind.

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Bei einem der Einleitungssätze von Karl Wrenkh,

Für mich heißt vegetarisch kochen und essen nicht verzichten, sondern genießen.“,

wusste ich schon, „Da bin ich richtig.“

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Wir lieben Hülsenfrüchte. Der Rest der Familie eher als Beilage, denn als Hauptgericht. Viel mehr als Chili con Carne und Hülsenfrüchte-Salate standen bisher aber nicht auf unserem Speiseplan. Das hat sich jetzt schlagartig geändert.

Und wenn man einen Kochkurs bei jemandem besucht, der sein Handwerk nicht nur versteht, sondern auch sein Wissen gerne teilt, lernt man zwischen den Zeilen am Allermeisten.

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Marokkanische Salzzitronen zum Beispiel. Würde ich nicht Salz sammeln, hätte ich dieses Einmach-Glas wahrscheinlich gar nicht beachtet. Aber so, lernte ich ganz nebenbei, dass das überhaupt keine Hexerei ist und ein natürlicher Geschmacksverstärker für allerlei vegetarische Gerichte ist. (Die Zitronen sind schon eingelegt und fermentieren im Dunkeln vor sich hin.)

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Ein weiteres Highlight: Rote Rüben und geröstete Haselnüsse.

Bei eingelegten sauren Roten Rüben stehen meine Nackenhaare schon hoch bevor ich in die Nähe eines solchen Glases komme. Als ich dann als Dessert-Fan bei Pretty Vegan die Worte „Ich bin Koch und kein Zuckerbäcker. Deshalb verwende ich Rote Rüben für die Nachspeise.“ hörte, wurde mir ein bisschen übel. Dann kam etwas später die Erklärung des Umgangs mit besagtem Lieblingsgemüse und ich röstete mit viel Liebe geriebene Haselnüsse und ließ mich überraschen. Tatsächlich! Die Rote Rüben-Vanille Croissants waren ein Gedicht! Wie kam das? Die Rüben, in Kokosmilch gedünstet, mit Haselnüssen verrührt, Zitronenschale, Vanille und Zucker abgeschmeckt, verwandelten sich in eine herrlich rote Masse, mit der die Croissants gefüllt wurden. Keine Spur von ungeliebtem Gemüse!

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Die Hauptrolle des Abends übernahmen aber die Bohnen mit drei Rezepten, von der kleinen weißen Perlbohne bis zu den violett-schwarzen, riesigen Käferbohnen.

Und das gelernte kann man locker auf alle Bohnen anwenden, die man gerne isst.

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So ein paar Tage später bei mir zu Hause.

Das ursprüngliche Rezept: Steirischer Bohnen Strudel, der zu gleichen Teilen mit Käferbohnenpaste und Käferbohnensalat gefüllt war.

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Um meine Familie langsam einzugewöhnen nahm ich Bohnen unseres Vertrauens. Schwarze Bohnen: klein handlich und praktisch für eine Füllung. Die Paste ließ ich beim ersten Versuch weg, weil zu kritisch zur Eingewöhnung. Das erste Mal vergisst man ja bekanntlich nie, und es sollte ja allen schmecken.

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Das Rezept findet Ihr im nächsten Blogeintrag. Bis bald!

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6 Gedanken zu “Pretty Vegan, eine Annäherung an tierfreie Gerichte

  1. „Der Zeitfaktor spielt bei veganem Kochen z.B. ja keine unerhebliche Rolle. Ich kann nicht tagelang ein Gericht vorbereiten, wenn ich täglich koche.“

    Da kann ich dich beruhigen, dieser Eindruck legt sich bald. Genauso wie es zeitaufwendige Gerichte und Fastfood in der traditionellen Küche gibt, gibt es sie in der fleischlosen und veganen Küche. Und genauso wie man die Zubereitung von Fleisch auf den Punkt irgendwann mal gelernt hat, braucht es eine Weile, bis man das Kochen veganer Speisen perfektioniert hat.

    Also, Übung ist alles. Nur Mut und viel Spaß beim Ausprobieren der neuen Küche 🙂

    LG
    Noyan

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